Schulgarten
am Emmy-Noether-Gymnasium

B i l d e r,
aufgenommen von Ibolya Ressler, Biologielehrerin

Rundbeete im Nordhof Rundbeete im Nordhof Vorbereitung der Gemüsebeete Anbau der Gemüsebeete Fleißige Bio-Gärtner Rundbeete Kräuterspirale Kräuterspirale Blumenhügel Kompost

Ibolya Ressler
Biologielehrerin


Im Frühjahr 1988 formiert sich an unserer Schule ein Arbeitskreis mit dem Ziel, ein Feuchtbiotop zu errichten. Angedacht wurde eine solche Idee schon früher wiederholt, allerdings scheiterte die Realisierung immer wieder an nicht erteilten Genehmigungen und fehlendem Geld. Treibende Kraft in der neuen Gruppe ist der Schüler Alexis Dorn aus der 10. Jahrgangsstufe, eifrig unterstützt vom Freund Michael Hammel und einer munteren Schar zupackender Schülerinnen und Schüler. Tatendrang und Optimismus der Gruppe werden im Lehrerkollegium unterschiedlich bewertet.

Aus einer Jugendzeitschrift erfährt Alexis Dorn, dass der WWF (World Wild Fund for Nature, eine internationale Naturschutzorganisation) mit der Aktion "Jugend schützt Natur" Schüleraktivitäten finanziell unterstützt. Damit ist letztlich der Startschuss gegeben, mit den Planungen zu beginnen. - Schulleiter und Hausmeister werden mit Unterstützung der Fachschaft Biologie überzeugt, hier etwas entstehen zu lassen, was sich sehr vorteilhaft für die Schulanlage und den Schulbetrieb auswirken kann. Unterstützung aus dem Gartenbauamt wird signalisiert. Der Bund Naturschutz will beratend helfen. Als möglicher Standort bietet sich das Gelände im Norden und Westen der Schule an, entlang der naturwissenschaftlichen Fachbereiche, mit einem direkten Zugang aus dem Fachbereich Biologie.

Wie soll das gewünschte Biotop aussehen?

Die Schülerinnen und Schüler möchten einen Lebensraum schaffen für Amphibien, Vögel, Kleinsäuger und Insekten. Das Gartenbauamt, so berichtet Alexis Dorn, hätte gerne im Randbereich des Geländes einen Zierteich mit Goldfischen, umgeben von einer gepflegten Rasenfläche. Diese gibt es schon und sollte daher möglichst wenig durch zusätzliche Aktionen "beschädigt" werden. Zur Pflege des Rasens existierte auch schon eine moderne, unterirdisch verlegte Beregnungsanlage, die nicht durch Grabarbeiten gefährdet werden dürfe.

"Zierteich mit Goldfischen, gepflegter Rasen....", diesen Vorstellungen können und wollen die Schülerinnen und Schüler nicht folgen. Nach einigen Diskussionen mit städtischen Behörden ist diese Idee vom Tisch. Bei diesen engagiert geführten Gesprächen stellt sich heraus, dass wohl auch die eigene Idee vom Lebensraum für bestimmte Tiere nicht so sinnvoll ist.

Hierzu einige Gründe:
  • Die verfügbare Fläche ist relativ klein.
  • An der Nordseite stehen Mehrfamilienhäuser. Hunde und Katzen durchstreifen daher das Gelände.
  • An die Südseite grenzt der "Nord-Pausenhof" der Schule, mit zweimal munterem Treiben in den Vormittagspausen.
  • Im Westen liegen große Ackerflächen, und aus einer etwas weiteren Entfernung ist der ständige Lärmpegel vom Autobahnkreuz Fürth-Erlangen zu hören.
  • Aus neuer Sicht soll eher ein sogenanntes Freilandlabor entstehen, mit möglichst vielen biologischen Nischen, was auch Vorbild sein könnte für private und öffentliche Gärten.
  • Herzstück der Anlage wird ein Tümpel.

Wie kann dieser wasserdicht gemacht werden? - Vier Möglichkeiten werden diskutiert:
  • Eine Plastikhaut ist zwar relativ teuer, könnte aber schnell und einfach verlegt werden und hält sicher einige Jahre dicht.
  • Der Bund Naturschutz rät zu einer Betonwanne. Diese ist wesentlich stabiler und hält länger, aber sie kostet sehr viel.
  • Im Gespräch sind noch zwei Vorschläge einer Abdichtung mit 10 - 20 cm bzw. 40 - 50 cm dicker Lehmschicht: Die dünnere Auflage macht weniger Arbeit, wird aber bestimmt vom schnell wachsenden Wurzelwerk bald durchlöchert und undicht. Die dicke Schicht ist sicherer, aber arbeits- und kostenaufwendig.

Die Schülerinnen und Schüler möchten naturnah bauen und entscheiden sich für den Kompromiss einer 30 cm dicken Lehmschicht. Sie hoffen, den Lehm "billig" von einer bekannten Ziegelei zu bekommen.

Vor dem ersten Spatenstich muss noch das Hoch- und Tiefbauamt der Stadt grünes Licht geben. Von hier erhofft man sich auch Antwort auf die Frage, ob im Untergrund neben der Berieselungsanlage noch andere Leitungen und Rohre verlegt sind. Bei einer Weihertiefe von etwa 1,6 m möchte man unsinnige Grabarbeiten vermeiden. Die Frage kann vom Amt "leider" nicht beantwortet werden.

In mühsamer und vorsichtiger Handarbeit werden die Plastikrohre der Beregnungsanlage freigeschaufelt. Ein städtischer Installateur klemmt die Rohre ab und schließt sie nach der geänderten Verlegung neu an.

Es beginnen die Grabarbeiten für den Tümpel. Er soll einschließlich Flachwasserzone und Verlandungsbereich, mit einer maximalen Tiefe von 1,6 Metern, eine Oberfläche von 70 Quadratmetern haben. Die Arbeiten sind sehr mühsam und dauern Wochen. Der Untergrund ist aufgeschüttet. Lehm, Steine und Bauschutt sind miteinander vermischt. Die Arbeiten mit Pickel und Schaufel sind sehr schwer. In der Vorstellung der grabenden Gruppe wächst das Bild von einem Bagger, der sich selbständig in den Boden frisst ... . Ein kleiner würde schon ausreichen. Der Einsatz sollte natürlich möglichst billig sein.

Das städtische Garten- und Friedhofsamt winkt ab, angeblich ist nicht "das geeignete Gerät" vorhanden. Eine Erlanger Baufirma hilft kostenlos. Die Arbeit geht nun schnell voran. Der Aushub wird an zwei Stellen im Grundstück aufgehäuft. Der Baggerführer ist mit einem Kasten Bier zufrieden. Die Tümpelgruppe hat 400 DM Mietkosten gespart.

Aus der einen Aushubhälfte entsteht ein erhöhter Beobachtungsplatz am Tümpel, auf dem eine Schulklasse Platz finden kann, die andere wird zum flachen Schmetterlingshügel bzw. zur Blumenwiese gestaltet, die nur zweimal im Jahr gemäht werden soll.

Die Tümpelböschungen müssen in Handarbeit noch auf maximal 30 Grad Neigungswinkel abgeglichen werden. Mit dem dabei anfallenden Material wird ein 25 m langer und 50 cm hoher Wall aufgeschüttet, der das "Biotop" etwas gegen den Nord-Pausenhof abgrenzt.

Nach den Pfingstferien beginnt die Abdichtungsarbeit. 15 Kubikmeter Lehm werden mit Schubkarren über die Hoftreppen vom Süden herangeschafft. Zunächst wird 20 cm dick gequollener Lehm auf die Böschungen geschichtet, angetreten und anschließend mit einem Verdichter festgerüttelt. Diese mühsame Arbeit dauert drei Wochen. Ende Juni wird die zweite Fuhre Abdichtungsmaterial geliefert. Diesmal wird das Material in einer Wanne vorgequollen und mit den Füßen weichgetreten. Das gesamte Abdichtungsmaterial, einschließlich Transport, bekommt die Arbeitsgruppe von einem Ziegeleibetrieb geschenkt. Nach weiteren zehn Tagen mühevoller Arbeit ist der Tümpel "dicht", hoffentlich... Am frühen Morgen des 13. Juli beginnt der "feierliche Wassereinlass". Nach 15 Stunden ist der Tümpel voll. Es müssen nun preiswerte Wasserpflanzen gesucht werden. Eine Gärtnerei liefert 50 wichtige Pflanzen mit einer großzügigen Preisermäßigung.

Während die Weiherbauer die Pflanzen einsetzen, baut im nördlichen Bereich des Grundstücks ein Biologielehrer mit seiner Projektgruppe eine Kompostierungsanlage und ein Hochbeet. Als Baumaterial dient Abfallholz von einem Sägewerk in der Schillerstraße, das für den laufenden Meter Schwartenholz 50 Pfennige verrechnet. Alles soll zum Sommerfest der Schule fertig sein.

Nach den Sommerferien wird die Anlage durch weitere ökologische Nischen vervollständigt (siehe Abb. 2): Trockenmauer, Reisig- und Laubhaufen werden aufgeschichtet. Ein abgesicherter Rundgang wird erstellt, der Wiesenhügel kann erstmals gesenst werden. Für das kommende Frühjahr sind Trocken- und Feuchtwiese geplant. Die Trockenmauer soll bepflanzt werden. Man plant die Dokumentation einer Dachbegrünung. Im Westbereich sollen Brutmöglichkeiten für Insekten (Insektenbrutwand) entstehen.

In den folgenden Jahren entwickelt sich die Flora auf dem gesamten Areal sehr gut. Frösche und Teichmolche siedeln sich im Tümpel an, der offensichtlich noch immer etwas Wasser verliert. Um Leitungswasser zu sparen, ermöglicht das Gartenbauamt die Regenwassereinspeisung von den Dächern des benachbarten Fachtrakts.

Im Rahmen biologischer Übungen basteln Schülerinnen und Schüler Nistkästen für Vögel. Ein Besuch des Waldmuseums regt zum Bau von Nistgelegenheiten für Insekten an. Es entsteht eine Insektenbrutwand unter Verwendung verschiedenartigster Materialien. Das Pultdach hierzu wird mit alten Dachziegeln von einer Abrissscheune gebaut. In allen Ziegeln sind bereits Solitärbienen "eingemauert".

Die sicher recht gut gelungene Insektenbrutwand regt zu weiteren Aktivitäten an. Der Bestand des Freilandlabors soll gesichert werden. Außerdem möchte man das Gelände für Schüler und Besucher attraktiver machen und besser erschließen.

Die Maßnahmen im Einzelnen:
  • Bau gesicherter Wege zu den einzelnen Stationen;
  • Bänke sollen zur entspannten Beobachtung einladen;
  • Anregungen von der Landesgartenschau in Neumarkt /Opf. werden umgesetzt;
  • Kennzeichnung vorhandener Pflanzen und Tiere;
  • Fertigung von Schautafeln zur Erklärung der einzelnen Stationen und der Gesamtanlage für Besucher.

Eingeleitet werden die neuen Aktivitäten durch einige Großeinsätze der Lehrerschaft. Fast das gesamte Biologie-Fachkollegium ist an einigen Freitagnachmittagen im Einsatz: umgraben, jäten, Hecken auslichten, Äste schreddern, Kompost verteilen...

Auch in den Jahren 1997 und 1998 bleibt der Freitag mit den Schülern "Hauptkampftag". Baumaterial wird benötigt: Balken, Rundhölzer, Bretter und Stangen. Mehrere Schülereltern spenden nicht mehr gebrauchtes Baumaterial und bringen so die Arbeiten mit voran. Beim Umbau der Restmüllsammelstelle der Schule wird eine größere Menge Balken überflüssig. Herr Wagner, der Hausmeister, erreicht, dass die Biotoparbeitsgruppe das gesamte Material erhält. Diese Balken finden in verschiedener Weise Verwendung:
  1. im Rohzustand dienen sie als Pfosten für die altersschwache Kompostierungsanlage;
  2. in Stücke zersägt und mit Holzschutzmittel eingelassen entstehen daraus Stufen für die Wege im Bereich des Beobachtungshügels;
  3. abgehobelt, glattgeschliffen und mit Wachsöl eingelassen verwandeln sie sich in ansehnliche Bänke.

Es soll Publikum in die Anlage gelockt werden, zum Verweilen. Andererseits müssen die einzelnen Teilbereiche aber vor dem Betreten geschützt werden. Absperrungen sind nötig. Diese sollten deutlich erkennbar sein, aber nicht das Bild bestimmen. Holzstangen sollte man haben. Über hundert Meter davon wären nötig.

Gute Verbindungen zum Waldmuseum helfen weiter: Ausgestattet mit einem Berechtigungsschein der Forstdienststelle Tennenlohe und mit Holzhacken, Sägen und Schnitzmessern bewegt sich der biologische Arbeitstrupp in Richtung Brucker Lache. Fünfzehn nicht markierte Kiefern mit maximal 15cm Stammdurchmesser werden "fachgerecht" gefällt, in etwa 8 Meter lange Stücke zersägt, entrindet und am Wegrand zum Trocknen gestapelt. Das ist keine leichte Arbeit für die "Jungwaldarbeiter"! Eine Woche später transportiert ein Kleinlaster eines Bäckereibetriebs aus Tennenlohe die etwa 120 Meter Stangenholz kostenlos zur Schule.

Damit sind die Großaktionen für 1998 abgeschlossen. Kleinere Gruppen bringen die Arbeiten nun weiter voran. Während z.B. eine Gruppe bei leichtem Schneetreiben Wegegeländer um die Blumenwiese zimmert, fertigen im Biologie-Praktikumsraum andere Schüler Pläne für die Schrifttafeln der einzelnen Stationen bzw. zum Bau eines Windrads, und ein besonders ökologisch motivierter Schüler erkundet auf dem Dach des Schulgebäudes weitere Möglichkeiten, um Regenwasser in den Tümpel umzuleiten.

Auf dem Arbeitsplan für die nächste Zeit stehen: Windrad, Klangholzanlage, Weidenstrauchallee und Bienenstand.

Bis zum Ende des Schuljahres 1998/99 sollen die Schautafeln, Wegweiser und Namentafeln für das lebende Inventar des Freilandlabors fertig sein: Die Bilder und Texte werden zwischen Kunststofffolien eingeschmolzen, um besonders gegen Regen geschützt zu sein. In einem etwa sechs Monate dauernden Belastungstest unter extremen Witterungseinflüssen hat sich diese Methode bewährt. Ein hierzu nötiges Laminiergerät haben sich Schülerinnen und Schüler unserer Schule selbst verdient: Die Fachbereiche Biologie und Chemie des Emmy-Noether-Gymnasiums stellten im letzten Schuljahr die stärkste Mannschaft unter den Erlanger Schulen bei dem Wettbewerb "Jugend forscht" und erhielten dafür einen Geldpreis. Davon konnte u.a. dieses Gerät gekauft werden. Die größten der geplanten Schautafeln sollen zusätzlich hinter Glas kommen. Gut geeignet hierzu sind besonders präparierte Holzrahmenfenster vom Sperrmüll. - Alle Beteiligten sind gespannt, wie die Anlage im kommenden Sommer aussehen wird.

Ein großes Lob an alle Schülerinnen und Schüler, die mit vielen guten Ideen und fleißigen, mitunter kraftraubenden Arbeitseinsätzen das Freilandlabor ermöglicht haben.
Dr. Hermann Lindner

© Emmy-Noether-Gymnasium Erlangenzurück